Sommerlicher Wärmeschutz nach DIN 4108-2
Warum Gebäude überhitzen und was dagegen hilft: Verschattung, Verglasung, Speichermasse und Nachtlüftung, der Nachweis nach DIN 4108-2 beim Neubau und wirksame Schritte im Bestand.

Das Wichtigste in Kürze
- Überhitzung entsteht vor allem durch Sonneneinstrahlung über die Fenster, große Glasflächen nach Süden und Westen sind der größte Hebel
- Die wirksamste Einzelmaßnahme ist außenliegende Verschattung wie Raffstore oder Rollladen, innenliegende Vorhänge helfen nur begrenzt
- Verglasung mit niedrigem g-Wert, Speichermasse und konsequente Nachtlüftung ergänzen die Verschattung zu einem wirksamen Gesamtkonzept
- Beim Neubau ist der Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes nach DIN 4108-2 Teil der Anforderungen des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG, früher GEG) und sollte früh in der Planung gerechnet werden
- Im Bestand lässt sich viel ohne Bauantrag erreichen, von der Nachrüstung außenliegender Verschattung bis zur Dämmung des Dachs
Inhalt dieses Artikels
Die Sommer in Berlin und Brandenburg werden spürbar heißer, und viele Gebäude sind darauf nicht ausgelegt: Dachgeschosswohnungen über 30 Grad, Büros hinter großen Glasfassaden, Kinderzimmer nach Westen. Sommerlicher Wärmeschutz ist die Antwort der Bauphysik darauf, und er ist beim Neubau nicht optional, sondern nachzuweisen. Dieser Ratgeber erklärt, warum Gebäude überhitzen, welche Maßnahmen in welcher Reihenfolge wirken, wie der Nachweis nach DIN 4108-2 funktioniert und was sich im Bestand ohne großen Umbau erreichen lässt.
Warum Gebäude überhitzen
Der mit Abstand größte Wärmeeintrag im Sommer kommt über die Fenster. Sonnenstrahlung durchdringt die Verglasung, wird im Raum von Wänden, Böden und Möbeln absorbiert und als Wärme wieder abgegeben, die durch das Glas nicht mehr entweichen kann. Je größer die Glasflächen und je stärker sie nach Süden und vor allem nach Westen orientiert sind, desto größer das Problem: Die Westsonne trifft am Nachmittag flach auf die Fassade, wenn der Raum bereits aufgeheizt ist.
Dazu kommen drei Verstärker. Leichte Bauweisen mit wenig Speichermasse heizen sich schnell auf, weil kaum Material die Wärme puffert. Ungedämmte Dächer leiten die Hitze der aufgeheizten Dachhaut fast ungebremst in die Räume darunter, weshalb Dachgeschosse regelmäßig die heißesten Räume im Haus sind. Und interne Quellen wie Geräte, Beleuchtung und viele Personen addieren sich, in Büros oft erheblich. Moderne, gut gedämmte und luftdichte Gebäude halten die Wärme, die einmal drin ist, zudem länger, was den Wärmeschutz im Sommer wichtiger macht, nicht unwichtiger.
Verschattung: die wirksamste Einzelmaßnahme
Die Rangfolge ist eindeutig: Am wirksamsten ist, was die Strahlung gar nicht erst durch das Glas lässt. Außenliegende Verschattung wie Raffstore, Rollläden, Markisen oder feststehende Auskragungen reduziert den Wärmeeintrag um ein Vielfaches besser als jeder innenliegende Sonnenschutz, weil sie die Energie vor der Scheibe abfängt. Innenliegende Vorhänge und Plissees wirken vor allem gegen Blendung, die Wärme ist zu diesem Zeitpunkt schon im Raum.
Bei der Auswahl lohnt der Blick auf Bedienbarkeit und Automatisierung: Verschattung wirkt nur, wenn sie tagsüber tatsächlich geschlossen ist, auch wenn niemand zu Hause ist. Zeitschaltung oder Sonnensensor lösen das zuverlässiger als Disziplin. Feststehende Elemente wie Balkone und Dachüberstände verschatten Südfenster im Hochsommer gut, helfen bei tief stehender West- und Ostsonne aber kaum, dort braucht es bewegliche Systeme.
Verglasung und g-Wert
Die zweite Stellschraube ist das Glas selbst. Der g-Wert beschreibt, welcher Anteil der auftreffenden Sonnenenergie in den Raum gelangt: je niedriger, desto weniger Wärmeeintrag. Moderne Dreifachverglasung hat konstruktionsbedingt bereits einen niedrigeren g-Wert als alte Verglasungen, Sonnenschutzglas senkt ihn weiter.
Der g-Wert ist allerdings ein Kompromiss: Was im Sommer draußen bleibt, fehlt im Winter als kostenloser solarer Gewinn, und sehr niedrige g-Werte dunkeln Räume sichtbar ab. Deshalb gilt als Faustregel: bewegliche Verschattung vor festem Sonnenschutzglas, und Sonnenschutzglas gezielt dort, wo Verschattung nicht möglich ist, etwa an schwer zugänglichen Glasflächen. Beim ohnehin anstehenden Fenstertausch sollten g-Wert und Verschattungsoption von Anfang an mitgeplant werden.
Speichermasse und Nachtlüftung: das Team für die Nacht
Speichermasse und Lüftung wirken zusammen. Massive Bauteile aus Beton, Ziegel oder Kalksandstein nehmen tagsüber Wärme auf und dämpfen die Temperaturspitze im Raum. Damit das dauerhaft funktioniert, muss die gespeicherte Wärme nachts wieder abgeführt werden, sonst ist der Speicher am nächsten Morgen noch voll. Genau das leistet die Nachtlüftung: In den kühlen Nachtstunden wird das Gebäude gezielt durchlüftet, am wirksamsten als Querlüftung über gegenüberliegende Fassaden oder über mehrere Geschosse.
Im Alltag heißt das: tagsüber Fenster geschlossen und verschattet, nachts und früh morgens weit öffnen. Leichtbauten ohne nennenswerte Speichermasse profitieren von der Nachtlüftung weniger, dort sind Verschattung und g-Wert umso wichtiger. Wo eine Lüftungsanlage vorhanden ist, kann sie die Nachtauskühlung unterstützen, ersetzt die freien Querschnitte der Fensterlüftung aber meist nicht.
Der Nachweis nach DIN 4108-2 beim Neubau
Beim Neubau ist ausreichender sommerlicher Wärmeschutz eine Anforderung des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG, früher GEG), der Nachweis wird nach DIN 4108-2 geführt. Dafür gibt es zwei Wege:
| Verfahren | Prinzip | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Sonneneintragskennwert-Verfahren | Vereinfachte Rechnung: vorhandener Sonneneintrag der kritischen Räume gegen zulässigen Höchstwert | Standardfälle im Wohnbau |
| Thermische Gebäudesimulation | Stundenweise Simulation der Raumtemperaturen über das Jahr, Bewertung über Übertemperaturgradstunden | Große Glasflächen, Sondergeometrien, Nichtwohngebäude |
Gerechnet wird nicht das ganze Gebäude, sondern die kritischen Räume, typischerweise die mit dem ungünstigsten Verhältnis von Glasfläche zu Grundfläche. In die Rechnung gehen Orientierung, Fensterflächen, g-Wert, Verschattung, Bauart und Lüftungsmöglichkeit ein. Wichtig für Bauherren: Der Nachweis sollte früh in der Planung gerechnet werden, denn wenn er erst nach der Fenster- und Fassadenplanung scheitert, sind die Korrekturen teuer. Nachträglich hilft dann oft nur noch Sonnenschutzglas oder zusätzliche Verschattung, die vorher eleganter integrierbar gewesen wäre.
Wir erstellen den Nachweis als Ergänzung zum GEG-Nachweis (ab 690 Euro) für 200 Euro, abgestimmt mit den übrigen energetischen Nachweisen zum Bauantrag. Was insgesamt in diese Nachweise gehört, erklärt der Ratgeber Wärmeschutznachweis zum Bauantrag.
Was im Bestand hilft
Im Bestand gibt es keinen nachträglichen Nachweiszwang, aber dieselbe Physik. Die wirksamsten Schritte, grob nach Aufwand sortiert: Erstens Verhalten und Betrieb, also tagsüber verschatten und geschlossen halten, nachts querlüften, unnötige Wärmequellen abschalten. Zweitens die Nachrüstung außenliegender Verschattung an Süd- und Westfenstern, die häufig ohne Genehmigung möglich ist, bei Mietwohnungen mit Zustimmung des Vermieters. Drittens im Zuge ohnehin geplanter Sanierungen: Dachdämmung, die das Dachgeschoss im Sommer wie im Winter schützt, und neue Verglasung mit passendem g-Wert.
Gerade beim Dach lohnt der Doppelnutzen: Eine gute Dämmung der obersten Geschossdecke oder der Dachschrägen senkt die Heizkosten und entschärft gleichzeitig die Sommerhitze. Wer eine Sanierung plant, sollte den sommerlichen Wärmeschutz deshalb nicht als Sonderthema behandeln, sondern als eines der Kriterien im Gesamtkonzept, so wie es ein individueller Sanierungsfahrplan tut.
Beratung in Berlin und Brandenburg
Wir beraten dena-gelistet und ausschließlich in Berlin und Brandenburg, vom Nachweis nach DIN 4108-2 für den Neubau bis zum Verschattungskonzept für den überhitzten Altbau. Wenn Sie klären möchten, welche Maßnahmen bei Ihrem Gebäude wirken und was der Nachweis für Ihr Bauvorhaben kostet, nutzen Sie das Formular auf dieser Seite für eine kostenlose Ersteinschätzung.
Häufige Fragen
Ist der Nachweis zum sommerlichen Wärmeschutz beim Neubau Pflicht?
Hilft eine Klimaanlage nicht einfacher als Verschattung?
Warum reichen innenliegende Vorhänge und Plissees nicht aus?
Schützt Dämmung auch gegen Hitze?
Was kann ich im Bestand gegen Überhitzung tun, ohne groß umzubauen?
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Fachlich geprüft von Firas Hassan dena-gelisteter Energieeffizienz-Experte, Energie Optimiert GbR, Berlin und Brandenburg